In der Nachrichtentechnik wie in der politischen Kommunikation gilt: Wenn du das Signal nicht unterdrücken kannst, erhöhe das Grundrauschen, bis die Information darin untergeht. Der Signal-Rausch-Abstand (SNR) beschreibt das Verhältnis der Nutzsignalleistung zur Störleistung:
$$SNR_{dB} = 10 \log_{10} \left( \frac{P_{\text{signal}}}{P_{\text{noise}}} \right)$$Indem die US-Regierung die Störleistung ($P_{\text{noise}}$) durch das Thema „Grönland-Kauf“ massiv erhöht, sinkt das SNR gegen Null. Die kritischen Signale sind zwar vorhanden, können aber ohne extremen Filteraufwand nicht mehr isoliert werden.
Was wir gerade überhören (Die Signale)
| Thema | Status | Relevanz |
|---|---|---|
| Venezuela-Operation | Festnahme Maduros durch US-Spezialkräfte Anfang Januar. | Massiv (Völkerrecht/Eskalationsgefahr) |
| US-Verfassungsänderung | Supreme Court prüft Ende des Geburtsrechts auf Staatsbürgerschaft. | Extrem (Angriff auf das 14. Amendment) |
| Wirtschaftsdaten | Massenentlassungen bei Exxon/Chevron trotz “Drill, baby, drill”. | Hoch (Strukturelle Krise) |
| ICE-Skandal | Tödliche Razzia in Minneapolis mit illegalen Biometrie-Daten. | Hoch (Bürgerrechte) |
Der Begriff wurde maßgeblich vom britischen Strategen Lynton Crosby geprägt und durch Boris Johnson populär gemacht. Die Mechanik ist so simpel wie effektiv:
Wenn man am Esstisch in einem Streit über die eigenen Fehler in die Enge getrieben wird, wirft man eine tote Katze auf den Tisch. Alle werden schreien: ‚Mein Gott, da ist eine tote Katze auf dem Tisch!‘ – und niemand redet mehr über das Thema, das einen gerade noch in Bedrängnis gebracht hat.
Die Funktionsweise: Das Primärproblem: Die Regierung steht wegen eines harten Fakts unter Druck (z. B. Wirtschaftseinbruch, Skandale).
Der Köder: Ein Thema wird platziert, das so absurd, schockierend oder emotional ist, dass die Medien es nicht ignorieren können.
Die Verschiebung: Es ist völlig egal, ob die Reaktion auf die „Katze“ negativ ist. Solange die Talkshows über Grönland (die Katze) streiten, bleibt keine Sendezeit für die Analyse der US-Invasion in Venezuela (das Problem).
In der Aufmerksamkeitsökonomie von 2026 ist die tote Katze der ultimative DDoS-Angriff auf den öffentlichen Diskurs.
Outsourcing der Propaganda
In Neal Stephensons Snow Crash verbreitet sich ein Informations-Virus direkt in den Hirnstamm der Bevölkerung. Wir erleben heute die Realität dieses Szenarios. Im Film Wag the Dog (1997) war noch ein riesiger Medienaufwand nötig, um eine alternative Realität zu erschaffen. Heute ist das System dezentralisiert und hocheffizient „outgesourced“. Es ist die Realität aus Neal Stephensons “Snow Crash”: Die „Infopocalypse“ als Selbstläufer.
- Von CAPEX zu OPEX: Früher erforderte Propaganda physische Kontrolle über Funkhäuser (hohe Fixkosten). Heute liegen die Grenzkosten für eine globale Erschütterung bei nahezu Null. Ein Posting auf Truth Social/X reicht.
- Algorithmen als Repeater: Die Infrastruktur gehört dem Staat nicht einmal mehr. Die Algorithmen der sozialen Medien, optimiert auf Wut und Engagement, fungieren als kostenlose PR-Abteilung.
- Die „Dead Cat Strategy“: Wenn ein Thema unangenehm wird, wirf eine „tote Katze“ (Grönland) auf den Tisch. Alle reden nur noch über die Katze.
Fazit
Früher musste die Macht die Medien manipulieren. Heute füttert sie einfach die Aufmerksamkeits-Ökonomie mit dem passenden Köder. Wir (die User) erledigen die Arbeit der Ablenkung selbst, indem wir uns gegenseitig mit Memes und Empörung hochschaukeln.
Anmerkung Ich habe 2006 den unten verlinkten Wikipedia-Artikel initiiert. Inzwischen ist durch viele Autoren ein umfangreicher Artikel mit tiefgehenden Analysen daraus geworden. Das zeigt, wie aktuell das zugrundeliegende Thema “Infopocalypse” weiterhin ist.
Quellen und Links
- Snow Crash von Neill Stephenson
- Snow Crash auf Wikipedia

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