Arcade!

Erster Test mit der "Silverman"-Distribution

Erster Test mit der „Silverman“-Distribution

Irgendwann werden die tollen Spiele auf Playstation und Co. mit ihren tollen Grafiken langweilig; man bekommt das Gefühl, einfach nur in einem, wenn auch gut gemachten Film zu sitzen. Spätestens das iPhone mit seinem innovativen Bedienkonzept brachte wieder mehr „Arcade-Feeling“ in die Spiele, die sich damit wieder auf den Kern einer simplen Spielidee konzentrieren.

Die Maße der Baupläne sind meist in Zoll und müssen umgerechnet werden.

Die Maße der Baupläne sind meist in Zoll und müssen umgerechnet werden.

An den Spaß und die Faszination der Videospielautomaten in den 1980er Jahren kommt das Smartphone allerdings nicht heran. Und so richtig kann man die Spieleklassiker der „80er“ am normalen PC nicht genießen: Genügend Gründe also, einen Arcadeautomaten zu bauen, der so aussieht die die Geräte von damals – auch, wenn die heutige Technik nicht den Platzbedarf rechtfertigt. Dafür hat man am Ende ein schönes „Möbel“ mit robustem Joystick und Buttons, auf die man auch ungeniert draufhämmern darf.

Wie viele Zwingen braucht man zum verleimen? – Alle!

Wie viele Zwingen braucht man zum verleimen? – Alle!

Die Holzarbeit ist nicht ohne, macht aber Spaß. Ich habe mich entschieden, den Korpus ausschließlich zu verleimen, um Schraubenlöcher zu vermeiden. Lediglich Rückwand und Decke müssen lösbar angebracht werden, um elektrische Wartungsarbeiten zu ermöglichen. Als Material habe ich acht Millimeter dicke MDF-Platten verarbeitet und diese mit quadratischen Leisten verleimt. Da der Originalplan eine recht verwinkelte Angelegenheit ist, tut man gut daran, mit der Winkelschmiege sorgfältig anzuzeichnen. Die beiden Seitenteile schneidet man am besten übereinander gelegt in einem Arbeitsgang. Da außerdem die Leisten nicht hundertprozentig gerade sind, lasse ich einen kleinen Überstand und bringe die Kanten der Seitenteile später mit dem Bündigfräser auf eine Ebene mit den Fronten.

Die sichtbaren Fronten werden verleimt.

Die sichtbaren Fronten werden verleimt.

Aus ästhetischen Gründen verleime ich die sichtbaren Fronten. Das ist aufwändig und dauert lange, dafür sieht man aber am Ende auch keine Schraubenköpfe. Außerdem wird so ein gleichmäßiger Übergang zwischen den MDF-Kanten erzeugt, da die Spalten sich mit Leim füllen. Und da MDF ja sowieso zu einem wichtigen Teil aus Leim besteht, hat man im Endeffekt ein Gehäuse aus einem Guss. Es stellt sich heraus, dass die Kombination aus den doch recht biegsamen MDF-Platten und den aufgeleimten Kanthölzern eine sehr verwindungssteife und stabile Konstruktion ergibt.

Der Monitor wird mit Holzklötzen in Position gehalten.

Der Monitor wird mit Holzklötzen in Position gehalten.

Elektronik

Die Rechenarbeit übernimmt der Raspberry Pi mit einer fertigen MAME-Distribution. Damit lassen sich die ROMs der Spielhallenklassiker auf moderner Hardware spielen. Somit nimmt der eigentliche Computer wenig Platz ein. Als Monitor habe ich einen ausrangierten 19-Zoll Flachbildschirm verwendet, der natürlich im Gegensatz zur Röhre nicht ganz den Originaleindruck vermittelt. Dafür brauche ich weniger auf Platzbedarf und Stabilität zu achten.

Die Bedienelemente bekommt man z.B. beim Arcadeshop. Sie werden über einen Tastaturemulator angeschlossen, der ebenfalls dort erhältlich ist. Die ungefähre Belegung habe ich dem c’t-Sonderheft „Hardware Hacks“ entnommen und gebe hier meine Konfiguration wieder:

MDF staubt sehr stark beim Bearbeiten.

MDF staubt sehr stark beim Bearbeiten.

Schalter Anschluss
Joystick hoch 1UP
Joystick runter 1DOWN
Joystick links 1LEFT
Joystick rechts 1RIGHT
Action 1 / Fire 1SW1
Action2 / Jump 1SW2
One Player 1STRT
Two Player 2STRT
Münze 1COIN
Exit (ESC-Taste) 2B

Hat man noch eine alte Tastatur irgendwo rumliegen, kann man sich die Kosten für den Encoder sparen und diese ausschlachten. Dann verdrahtet man die Anschlüsse der Tasten entsprechend der Dokumentation des Encoders.

Mit robusten Steuerungselementen mach das Spielen richtig Spaß

Mit robusten Steuerungselementen mach das Spielen richtig Spaß!

In der Decke unterhalb der „Marquee“ befinden sich die Lautsprecher, die einzeln mit je einem 5W-Verstärker angesteuert werden. Die meisten Bastler verwenden hier PC-Lautsprecher; ich versprach mir aber von meiner Lösung ein authentischeres Klangerlebnis. Während des Aufbaus musste ich allerdings feststellen, dass ich mit den verbauten Netzteilen ein gehöriges Maß an Netzbrummen hörbar ist. Ansonsten ist die Audioqualität des Raspberry für den originalen 8-bit-Sound völlig ausreichend.

Die Audioverstärker werden eingemessen.

Die Audioverstärker werden eingemessen.

Dekoration

Sämtliche Aufkleber und transparente Banner bekommt man bei einem Versender in England. Vor allem die Aufkleber mit dem Atari-Logo oder die Warnschilder mit der Rastergrafik der Space-Invader-Gegner verleihen dem Automaten ein nostalgisches Flair.

Als weiteres Vorhaben würde ich gerne noch eine durchsichtige Dekoration anbringen, die von hinten beleuchtet ist. Aber zunächst muss das noch warten, bis zumindest einmal die Basis funktioniert.

Obwohl es bei einem Gerät für den Hobbykeller natürlich nicht notwendig wäre, habe ich an der Front einen Münzeinwurf angebracht. Münzprüfer (für Euro-Münzen) kosten nicht viel und tragen zur Originalität bei.

Die Spiele mögen beginnen

Im Netz gibt es unzählige ROMs mit Spieleklassikern zum Download. Hier dürfte für jeden etwas dabei sein.
arcade
Die oben erwähnte Distribution von Shea Silverman ist für den Anfang toll: Sie startet direkt nach dem Booten ein Auswahlmenü für die ROMs, die man entweder per SSH oder über ein Webfrontend hochladen kann. Da ich im Gehäuse sowieso eine Steckdosenleiste verlegt habe (siehe Abbildung), liegt es nahe, einen Powerline-Adapter mit im Gehäuse unterzubringen; der Netzwerkanschluss erfolgt über den Stromanschluss. Der Webserver kann damit direkt die Highscores im Internet veröffentlichen.

Comments are disabled for this post